Offener Brief an Frau Mews (Radio Kiepenkerl)

Sehr geehrte Frau Mews,

bezugnehmend auf die Berichterstattung über den Montagsspaziergang in Dülmen am 10.01.2022 und einem Ereignis im Vorfeld eines Spaziergangs in Olfen treten wir mit Ihnen in Kontakt.

Zunächst möchten wir den Bericht von Radio Kiepenkerl am 11.01.2022 als neutrale Berichterstattung lobend hervorheben.

https://www.radiokiepenkerl.de/artikel/duelmen-spaziergaenger-unterwegs-1185073.html

Zugleich haben Sie einige Stunden danach einen Beitrag auf Facebook geteilt, den wir nicht als neutral wahrnehmen.

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=4701556459920316&id=100001980260084

Wir respektieren Ihren persönlichen Standpunkt. In einem sozialen Netzwerk sind persönliche Einblicke legitim und können kontrovers diskutiert werden. Dies nehmen wir zum Anlass für einen lösungsorientierten Dialog.

Die Partei dieBasis ist in der pandemischen Lage gegründet worden, da es Menschen gibt, die eine konstruktive Auseinandersetzung der Ereignisse nicht im ausreichenden Maß gegeben sehen. Wie Sie treffend berichtet haben, treibt dies auch einige Spaziergänger an. Unser Lösungsansatz ist Basisdemokratie in den politischen Meinungsprozess einzubeziehen. Dabei muss sichergestellt werden, dass politisch gegensätzliche Positionen beidseitig gehört werden und ihren (medialen) Raum bekommen. Ihrem Beitrag auf Facebook entnehmen wir, dass dies auch Ihre Motivation für Ihre Präsenz in Dülmen war.

Lassen Sie uns ein konkretes Beispiel aus dem Kreis Coesfeld aufgreifen, daraus Fragen ableiten und zur Diskussion stellen.

Der Fall stammt aus der Gemeinde Olfen. Hier gab es einen Aufruf, der – wie es sich uns darstellt – von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kirchengemeinde St. Vitus verfasst und vom lokalen Verein SuS Olfen geteilt wurde. Hier werden die Teilnehmer an einem geplanten Spaziergang in Olfen pauschal als völkisch, rassistisch und antisemitisch diffamiert. Das stellt eine schwere Anschuldigung dar. Wenn diese Anschuldigungen nicht belegbar sind, sind diese sogar ggf. justiziabel.

Zentral ist dabei die gesellschaftliche Diskursfähigkeit, die gegeben sein muss, um friedlich miteinander leben zu können.

Das Thema der Impfpflicht scheint aktuell einen großen Teil zu den verhärteten Fronten beizutragen. Dabei können die Argumente der beiden Seiten kaum weiter auseinander gehen.

Eine Impfpflicht ist notwendig, um das medizinische Versorgungssystem aufrecht zu erhalten. Intensivstationen könnten ohne Impfungen den Regelbetrieb nicht sicherstellen. In diesem Sinn ist eine Impfpflicht solidarisch und die mediale Diskussion bestätigt diese Sichtweise.

Eine Impfung, die alle 3-4 Monate aufgefrischt werden muss, hat nicht die medial dargestellte Wirkung. Vertrauen in die Aussagen der Politik, Medien und das RKI sind verloren, da diese mit wechselnden und widersprüchlichen Zielen und Aussagen zur Impfung verwirren. Außerdem steht eine Impfpflicht im Gegensatz zur ärztlichen Ethik, die im GG §2 und im Nürnberger Codex verankert sind. Ein mediales Framing verhindert eine breite gesellschaftliche Diskussion über diese Sichtweise. Da es keine sterile Immunität gibt, trifft das Argument der Solidarität nicht zu.

Beide Parteien scheinen die andere Meinung nicht zu akzeptieren, was zur Spaltung der Gesellschaft führen kann. Wir wollen eine Spaltung der Gesellschaft verhindern und fragen uns, wie Brücken gebaut werden können, um Verständnis für beide Seiten herzustellen. Wie lassen sich Meinungsfronten abbauen?

Unser Vorschlag ist, schriftlich in den Dialog zu treten. Dazu stellen wir nachfolgend Fragen zu dem oben aufgeführten Sachverhalt.

  1. Sie sprechen auf Facebook von einer pöbelnden Masse. Ist das konkret auf die Spaziergänger am Montag in Dülmen gemünzt? Welche konkreten Pöbeleien haben Sie erlebt? Wie viele Menschen bildeten diese Masse?
  2. Der Aufruf in Olfen spricht pauschal von völkischen, rassistischen und antisemitischen Spaziergängern. Was halten Sie davon? Wie sehen Sie einen solchen Aufruf moralisch (Mitarbeiter der Kirche als moralische Instanz)? Wie sehen Sie die Spaziergänger in Dülmen in Bezug auf den Vorwurf?
  3. Es wird des Öfteren von einer Spaltung der Gesellschaft gesprochen. Wie stehen Sie zu dieser Aussage? Welche Ideen haben Sie diese zu verhindern?

Als Kreisverband freuen wir uns, über Antworten aus Ihrer subjektiven Perspektive. Natürlich können Sie auch Ihre Fragen an uns richten. Das wäre ein guter Start in einen lösungsorientierten Dialog, den wir dringend brauchen. Wir brauchen einander!

Herzliche Grüße!

Vorstand dieBasis
KV Coesfeld